04.10.2013 bis 08.11.2013

Die Stars and Stripes wehte sanft im Wind, die Luft war mild und das Land erstrahlte in der goldenen Herbstsonne. Die Grenzformalitäten hatten wir soeben hinter uns gebracht. Nachdem wir unsere Fingerabdrücke gegeben hatten und im Interview den Beamten davon überzeugen konnten, dass wir ganz sicher auch wieder ausreisen werden, bekamen wir die Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate.

Wir blickten der Reise durch den Westen der Staaten gespannt entgegen. Obwohl wir beide noch nie in den USA waren, hatten wir eine ziemlich konkrete Vorstellung was uns erwartete. Und diese Vorstellungen waren auch mit einigen Vorurteilen gespickt. Der erste Tag verwöhnte uns vorerst aber einfach mal mit herrlichstem Herbstwetter, schönen Landschaften und einem ruhigen weil einsamen Campground in den Wäldern.

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Unsere Route verlief zunächst noch etwas wahllos. Wir hätten sehr gerne den Yellowstone Nationalpark besucht. Doch wegen dem Budget-Streit in Washington D.C. und des daraus folgenden Shutdowns wurden alle Nationalparks geschlossen. Und weil es auch nach vier Tagen noch nicht nach einer Änderung diesbezüglich aussah, beschlossen wir westwärts zu fahren.

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Wir steuerten den Helle Canyon an. Der Weg zum Canyon führte uns durch lichte Pinienwälder, die Strasse war unbefestigt aber einfach zu fahren. Bald schon sahen wir ein erstes Warnschild, dass hier Klapperschlangen und Schwarze Wittwen (Spinnen) heimisch seien. Es dauerte dann auch nicht lange, bis wir die ersten zwei „Rattlesnakes“ in der Sonne liegen sahen. Unten im Canyon gab es einen einfachen, aber schönen Campingplatz. Da dieser aber in einem „National Recreation Area Campground“ ist, war er ebenfalls wegen des Shutdowns geschlossen. Und weil wir nicht genügend Wasser bei uns hatten und die Wasserleitungen abgestellt waren, mussten wir den Canyon noch am selben Nachmittag verlassen und uns am Salmon River einen Platz zum Übernachten suchen.

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Die weitere Fahrt führte uns durch reizvolle Gegenden und viele grössere und kleinere Ortschaften. Wir fuhren über einige sogenannte Scenic Byways, welche zu den wohl landschaftlich schönsten und eindrucksvollsten Strassen von Amerika zählen. Wir bekamen die Weite der USA zu sehen und zu spüren, und auch dass hier alles grösser ist als in Europa. Selbst die Tannenzapfen waren riesig.

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Über die zahlreichen Tiere, die wir während der Fahrten sahen, waren wir erstaunt und erfreut. Neben den verschiedensten Vogelarten, Füchsen und Nagetieren sahen wir vor allem unzählige Rehe und Hirsche. Unser absolutes Highlight in Bezug auf die Tiere war jedoch, dass wir von der Strasse aus einen Puma sahen. Zu kurz war der Augenblick, um ein Foto schiessen zu können, aber die Freude über dieses seltene Glück war riesig.

Viel Zeit blieb uns indes leider nicht für die nordwestlichen Staaten. Wir bekamen schon wieder Besuch aus der Schweiz, diesmal von Julien von Hofer Motos, unserer Motorradgarage zu Hause. Daher wählten wir nicht die Strecke entlang der Küste, sondern fuhren auf dem „direkteren“ Weg nach Seaside, wo wir uns treffen würden. Dass wir dabei durch das weltberühmte Napa-Valley fuhren, bemerkten wir erst relativ spät. Die Weingüter trugen berühmte Namen wie „Beringer“ oder „Robert Mondavi“ und auf den Strassenschildern waren Namen wie „Zinfandel Lane“ zu lesen. Es war gerade die Zeit der Weinlese, die Reben standen in voller Pracht, und die Sonne tauchte alles in warmes Gold.

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In Seaside bei Monterey bezogen wir Quartier bei Peter, einem Verwandten. Wie schön war es nach sechs Monaten „on the road“, wieder mal in einem himmlisch bequemen Bett zu schlafen, jeden Tag eine warme Dusche zur Verfügung zu haben, eine voll ausgestattete Küche mit Kühlschrank in Anspruch nehmen zu dürfen und für mehrere Tage einkaufen zu können.

Julien widmete sich zusammen mit Markus unseren Töffs, die den fachkundigen Service nach gut 23’000 Kilometern Strassen aller Art wahrlich verdient hatten. Vielen Dank an Hans und Julien von Hofer Motos für diese ausserordentliche Dienstleistung!

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Wir blieben einen Monat in Seaside und erholten uns von der bisherigen Reise. Wir erkundeten das schöne Monterey, besuchten das bekannte und wirklich sehenswerte Monterey Bay Aquarium, gingen am Meer spazieren, beobachteten Seehunde und liessen die Füsse und Seelen baumeln. Vor allem kochten wir, was das Zeug hält! Wir machten all die feinen Sachen, welche uns in Kasachstan einfielen (siehe Bericht Kasachstan 2), backten fast täglich einen Zopf und genossen auch wieder mal einen feinen N*** (what else)-Kapselkaffee.

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Im nahe gelegenen Cambria fand in dieser Zeit ein Travellermeeting von Horizons Unlimited statt. Wir entschieden uns kurzfristig, da hin zu fahren. An diesem Event trafen wir auf viele Gleichgesinnte, sahen interessante Präsentationen und tauschten allerlei Erfahrungen und Informationen aus. Es waren drei interessante und erlebnisreiche Tage. Und wir hatten nochmals eine sehr eindrückliche Tierbegegnung: nur wenige Meter von uns entfernt kam ein Luchs vorbei um sich dann auf einem umgeknickten Baumstamm in die Sonne zu legen. Welch einmaliges Erlebnis! Nach drei tollen und inspirierenden Tagen war am Sonntag Aufbruchsstimmung. Wir halfen noch ein wenig beim Aufräumen und machten uns dann als einige der letzten ebenfalls auf den „Heimweg“.

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Zurück in Seaside nisteten wir uns wieder bei Peter ein. Wir hatten uns schon vor dem Traveller-Event sehr gut eingelebt und fühlten uns pudelwohl. Und als wir von unserem Ausflug wieder zurück kamen, fanden wir auch die Reifen und unser neues Zelt vor, welche wir vor dem Wochenende noch bestellt hatten. Unser „altes“ Zelt hatte durch die Strapazen ziemlich gelitten, so dass wir es vor der Weiterreise austauschen mussten. Auch die Reifen mussten gewechselt werden, bevor wir wieder auf Entdeckungstour gehen konnten. So hatten wir während der verbleibenden Zeit in Seaside nebst viel Zeit für Musse und gemütlichen Dinner-Abenden auch das eine oder andere zu erledigen…

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An Peter, unseren Gastgeber, einen ganz herzlichen Dank dass wir so lange im Haus sein durften! Mit neu aufgeladenen Batterien machten wir uns am 9. November wieder auf die Motorräder. Was wir auf unserer USA-Inlandtour alles sehen und erleben durften, könnt Ihr im nächsten Reisebericht lesen.

USA – Teil 1: unsere Eindrücke in Kurzform

  • 3’200 gefahrene Kilometer in 34 Tagen
  • Scenic Byways – Traumstrassen für Motorradfahrer/-innen
  • Endlich wieder mal an Ort und Stelle verweilen
  • Wir schlemmen was das Zeug hält
  • Motorradservice – mit Schweizer Gründlichkeit

 

USA – Teil 1: der erste Monat in Amerika
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Ein Gedanke zu „USA – Teil 1: der erste Monat in Amerika

  • Toll ich warte schon gespannt auf den nächsten Bericht. Auf Motos Hofer ist eben verlass, Hans hat letztes mal an meinen zwei Töff Service gemacht(in Kamerun) Ich wünsche Euch gute Fahrt.

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