23.05. bis 14.06.2013

Die Türkei empfing uns mit bewölktem und stürmischem Wetter und die Böen waren teilweise so stark, dass wir auch beim Geradeausfahren in Schräglage waren. Von Çeşme aus machten wir uns auf den Weg nach Pamucak, einem Ort am Meer welcher uns von anderen Reisenden empfohlen wurde. Der Strand war zwar schön, der angesteuerte Zeltplatz aber überteuert und bot nichts aussergewöhnliches. Der nahegelegene hektische Touristenort war ebenfalls nicht das, was wir suchten. Wir blieben trotzdem eine Nacht auf diesem Zeltplatz und genossen dort auch unser erstes Nachtessen in einem Restaurant seit Italien.

Am nächsten Morgen fuhren wir in Richtung Pamukkale, wo sich die weltberühmten, weissen Sinterterrassen und die Ausgrabungsstätte Hierapolis befinden. Abends angekommen, nisteten wir uns im Garten eines Hotels ein, wo wir unser Zelt aufstellen konnten. Tags darauf besichtigten wir die Sehenswürdigkeiten. Es war brütend heiss und die Sonne strahlte was sie konnte. Vor den vielen Touristen wurden wir bereits im voraus gewarnt, wir konnten uns also ein wenig auf den Massenauflauf einstellen. Aber die Ignoranz der Touristen erstaunte uns doch sehr. Wie wenn es ein Badestrand wäre, liefen viele (vorwiegend russische) Touristen überall auf den Terrassen und im Gelände der Ausgrabungsstätte im Bikini / in den Badehosen herum. Viele Leute betraten auch die teilweise stark beschädigten Terrassen, obwohl überall eindeutige und mehrsprachige Verbotsschilder angebracht waren. Durch das Betreten der Becken wird das calciumreiche Wasser verschmutzt und der pH-Wert verschiebt sich. Das führt dazu, dass sich der Kalk der Terassen aufweicht und abbricht, zudem bleichen die Terassen nicht mehr aus.

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In den 1960er wurden auf dem Ausgrabungsgelände von Hierapolis Hotels gebaut, und mitten durch die Kalksteinbecken eine Strasse angelegt. Die Hotels wurden später auf Druck der Unesco wieder abgerissen. Auch die Strasse wurde entfernt, und die Schneise mit künstlichen Sinterterrassen „renaturiert“. Diese künstlichen Becken bilden heute den Abstieg ins Dorf, und sie dürfen offiziell betreten werden (das abfliessende Wasser wird von den anderen Terrassen separiert, so dass es diese nicht weiter beschädigen kann). Gerade als wir mitten in solch einem Becken standen um ein weiteres  Foto zu schiessen, krachte hinter uns mit lautem Getöse eine Fläche von circa 2 Quadratmeter Sinter ab. Es wurde uns sehr eindrücklich bewusst, wie fragil die Gebilde sind und wie stark sie durch die Verschmutzung des Wassers Schaden nehmen. Nichtsdestotrotz, Pamukkale und die Ausgrabungsstätte Hierapolis sind allemal ein Ausflug wert. Vor allem die weissen Kalksteinterrassen sind wirklich einmalig schön anzuschauen.

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Tags darauf fuhren wir durchs Hinterland in Richtung Mittelmeer. Der Weg dorthin führte durch Wälder und Berge, welche uns ein wenig Abkühlung verschafften und uns eine abwechslungsreiche Fahrt bescherten. Wir machten Halt in Faralya, einem ruhigen Ort oberhalb von Ölüdeniz. In der dortigen Pension „George House“ konnten wir wiederum unser Zelt aufstellen und unser Platz bot uns einen einmalig schönen Ausblick auf die Küste der Ägäis inklusive einem kitschig-romantischen Sonnenuntergang. Für die nächsten zwei Tage schalteten wir Day-offs ein. Am ersten Abend lernten wir auch den Spanier Jaime kennen. Jaime ist seit rund eineinhalb Jahren in der Welt unterwegs und hatte viele spannende Stories zu erzählen.

Am ersten freien Tag machten wir eine 2,5-stündige Wanderung an den Strand von Asbak. Der Pfad führte über Stock und Stein, bot schöne Ausblicke aufs Meer und die Küste und wir machten mal wieder Bekanntschaft mit einer Schlange, welche vor uns den Weg querte. Der Strand von Asbak war felsig, das Wasser jedoch umso klarer. Nach einem erfrischenden Bad im Meer nahmen wir den Rückweg mit dem Dolmuş (Sammeltaxi) in Angriff.

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Der zweit Day-off führte uns über einen steilen Abstieg ins darunter liegende Tal, welches Butterfly-Valley genannt wird. Der Abstieg ist so steil, dass er stellenweise beinahe senkrecht hinunter führt und mit Seilen gesichert ist. Unsere Höhenangst wurde arg strapaziert…! Das Butterfly-Valley ist nur per Boot oder über eben diesen Weg zu Fuss erreichbar und es soll dort angeblich von Schmetterlingen nur so wimmeln. Was wir zu Gesicht bekamen waren drei Schildkröten, natürlich eine Schlange und etwa eine Handvoll Schmetterlinge. Wir schauten uns den kleinen Wasserfall an, welcher sich am Anfang der Schlucht befindet und nahmen später noch eine Abkühlung im Meer. Danach ging es wieder den gleichen Weg hinauf zur Pension und wiederum hatten wir mit der Höhenangst zu kämpfen.

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Am darauffolgenden Tag hiess es Zelte abbrechen. Wir machten uns auf nach Çirali am Mittelmeer. Çirali ist bekannt als der Ursprung des olympischen Feuers, denn beim nahegelegenen Berg befinden sich die Feuer von Chimaera (türkisch: Yanartaş, brennender Stein). Ein seltsames Naturschauspiel. Aus kleinen Felsspalten entströmt Gas, welches sich beim Kontakt mit Sauerstoff selbst entzündet. Unzählige kleine Flammen sind zu sehen und es war faszinierend, sich das mystische Schauspiel anzuschauen. Leider war der Ort an diesem Abend aber ziemlich überlaufen. Es hatte eine grosse Gruppe von campierenden Touristen, welche an den Feuern kochte, sang und meditierte. Und Reisegesellschaften, welche die Magie des Ortes mit Taschenlampengefuchtel und lauten Erklärungen vom Guide zunichte machten. So beschlossen wir bald, zurück zum Zelt zu gehen.

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Nächster Tag neues Ziel, es ging nordwärts und wir verliessen die Mittelmeerküste in Richtung Eğirdir. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Stadt Isparta vorbei, welche für ihre Rosenölproduktion berühmt ist. Leider haben wir nur kleinere Rosenfelder gesehen, aber gelegentlich wehte uns ein sanfter Duft von Rosenöl entgegen. Die Nacht verbrachten wir in Eğirdir, ein Dorf welches an einem schönen See gelegen ist. Dort haben wir wiederum einige Traveller getroffen. Unter anderem Katja und Falk, die 2009 mit dem Tandem von München bis nach Peking gefahren sind. Sie haben uns einige Tipps zu Kasachstan, sowie Koordinaten von Campingmöglichkeiten in der Türkei und in Georgien gegeben.

Auf Anraten des Pensionbesitzers von Eğirdir fuhren wir weiter nach Beyşehir. Dort haben wir erstmals auf dieser Reise einen Hamam besucht. Am Abend wurden wir von Einheimischen zur Besichtigung einer über 700 jährigen Moschee eingeladen. Diese besteht im Innern aus 48 geschnitzten und reich bemalten Säulen aus Zedernholz und ist mit vielen Mosaiken ausgestattet. Der Besuch wurde abgerundet mit einer kurzen Stadtführung und Einladung zum Glace-Schmaus.

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Am 21. Tag unserer Reise ging es weiter nach Göreme in Kappadokien. Die Einfahrt ins Dorf bescherte uns einen atemberaubenden Ausblick aufs Tal mit den seltsam anmutenden Felsformationen, Feenkamine genannt. Wir richteten uns auf einem Zeltplatz ein und besichtigen am nächsten Morgen das Freilichtmuseum von Göreme. Das Museum besteht aus einer ehemaligen Klosteranlage aus dem 11. Jahrhundert. Zahlreiche kleinere Kirchen und Kappellen, welche in die Felsen geschlagen wurden und mit zum Teil gut erhaltenen Fresken bemalt sind, haben wir uns dort angeschaut.

Da uns der Zeltplatz nicht gut gefallen hat, haben wir uns am nächsten Tag entschieden umzuziehen, um unser Zelt auf dem Kaya-Camping im Nachbardorf von Göreme  aufzuschlagen. Für ein paar türkische Lira mehr hatten wir nun eine schöne Aussicht, saubere Sanitäranlagen und einen Swimming-Pool zur Verfügung. Und wir trafen auf viele interessante Leute. Wir lernten Ruth und Peter aus Luzern kennen, welche mit ihrem Wohnmobil unterwegs waren, und wir stellten fest, dass wir uns bereits in Çirali kurz gekreuzt hatten. Katja und Timo aus Zug waren mit ihren Motorrädern auf einer 2-monatigen Reise. Christel und Robin aus Holland  bereisten ebenfalls die Türkei und werden anschliessend Kirgistan per Fahrrad erkunden. Vielleicht treffen wir die beiden ja wieder…

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Vom Kaya-Camping aus unternahmen wir eine Wanderung ins „Red Valley“. Der Weg führte uns durch ein Tal unterhalb des Zeltplatzes und ging durch Tunnels und unwegsames Gelände. Die bizarren Feenkamine konnten wir so aus nächster Nähe erkunden.

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Ein Highlight der bisherigen Reise erlebten wir mit einer Ballonfahrt über das wunderschöne Kappadokien. Um 4.40 Uhr in der Früh wurden wir auf dem Campingplatz abgeholt und zum Startplatz chauffiert. Auch wenn unsere Höhenangst einmal mehr überwunden werden musste, es hat sich wirklich gelohnt! Es ist ein riesiges Spektakel, wenn dutzende von Ballons gleichzeitig in die Luft abheben. Unser Pilot führte uns mal tief runter in die Felsen (wir konnten sogar einen frühen Wanderer grüssen), mal flog er auf 750 Meter über Boden um uns einen einmaligen Weitblick zu ermöglichen. Während wir noch in der Luft schwebten, konnten wir anderen Ballons bei der Landung zuschauen. Die Piloten sind so erfahren, dass sie je nach Wind direkt auf dem für den Ballon vorgesehenen Anhänger landen können. Bei uns hat es leider nicht geklappt, dafür setzte der Pilot mitten in einem von Weinreben bewachsenen Feld auf (es wird nun eine Flasche Wein weniger geben…). Nach dem Flug wurden wir mit einem Umtrunk und einem Diplom überrascht. Ruth und Peter, welche im gleichen Ballon mitflogen, haben uns anerboten, unsere Diplome in die Schweiz zurück zu nehmen, damit sie nicht beschädigt werden. Wir werden sie nach unserer Rückkehr in die Schweiz abholen und freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen. Die Stunde im Ballon verging wortwörtlich wie im Flug, aber die Begeisterung und die Bilder aus der Vogelperspektive werden wir noch lange nicht vergessen!

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Mit vielen Eindrücken und tollen neuen Bekanntschaften verliessen wir Göreme und fuhren nordwärts zum Schwarzen Meer. Der Weg führt über eine Hochebene mit schier endlos wirkenden Kornfeldern. Zum ersten Mal seit langem wurden wir von Regen überrascht. Und je näher wir an die Küste kamen, desto fruchtbarer wurde die Landschaft. Auf dem Weg dorthin erlebten wir einmal mehr die türkische Gastfreundschaft, indem wir von Dorfbewohnern spontan auf Çay (Tee) in ihren Garten eingeladen wurden. Obwohl die Verständigung schwierig war (nur der Sohn sprach wenig Englisch), wurde es eine spannende Begegnung. Wir besichtigten ihren schönen Garten, wo sie Gemüse und Früchte für den Eigenbedarf anbauen. Wir durften die superfeinen Kirschen natürlich probieren und bekamen sogar noch einen Sack voll mit auf die weitere Fahrt. Dabei hatten wir erst vor wenigen Stunden welche an einem Stand am Strassenrand gekauft… es ist wirklich „gut Kirschen essen“ mit den Türken!

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Wir fuhren der Schwarzmeerküste entlang in Richtung Osten. Die Region ist bekannt für den Anbau von Tee und die Hügel sind dicht mit Teesträuchern bewachsen. In der Nähe von Trabzon besuchten wir das Sumela-Kloster, welches weit oben im Tal an einen Felsen gebaut wurde. Leider waren wegen der laufenden Restaurierungen nur wenige Räume in der Klosteranlage zugänglich, die teilweise auch in schlechtem Zustand waren. Obwohl das Kloster erst in den 1920er aufgegeben wurde, waren auch keine Gegenstände des täglichen Lebens oder Fotografien ausgestellt.

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Am Abend zuvor assen wir Kuymak, ein regionales Käsegericht, welches dem Schweizer Fondue ähnlich sein soll. Das Wetter spielte mit, denn an diesem Abend war es regnerisch und recht kühl. Somit herrschten ideale Bedingungen, um das Gericht zu probieren. Der warme Käse wird mit Maismehl und Öl zu einem Brei verrührt, und dann wie Fondue mit Brot gegessen. Wir bevorzugen die uns vertraute Version…

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Weiter Richtung Osten machten wir nochmals Halt in Ayder, einem kleinen Bergdorf, welches mit seinen Chalets und den auf den Wiesen weidenden Kühen an ein typisches Walliser Dorf erinnert. Unser Zelt platzierten wir auf einem idyllisch gelegenen Zeltplatz, welcher leider keine Dusche zur Verfügung hatte. Somit mussten wir ins Dorf gehen, wo wir uns im dortigen Thermalbad für umgerechnet 10 Franken pro Person eine Dusche leisten mussten. Auf dem Weg ins Dorf kamen uns zwei Motorradfahrer entgegen, was für eine Ueberraschung… Es waren Katja und Timo, welche wir bereits in Göreme kennengelernt hatten. Den Abend verbrachten wir zusammen in geselliger Runde und gingen spät ins Bett. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns definitv von den beiden, denn sie fuhren langsam in Richtung Schweiz und für uns geht es weiter ostwärts.

Nach rund drei Wochen hiess es für uns von der Türkei Abschied zu nehmen. Das Land hat uns positiv überrascht. Wir waren angetan von der wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaft, der unglaublichen Gastfreundschaft und den vielen netten Leuten. Die Zeit ging schnell vorbei und gerne hätten wir noch mehr von diesem tollen Land gesehen. Aber uns drängt es weiter, immer weiter Richtung Osten…

Soweit ist es noch bis in die Mongolei

Türkei – unsere Eindrücke in Kurzform:

  • 4’302 gefahrene Kilometer in 23 Tagen
  • Çay-Tee mit viiiieeel Zucker … fein!
  • Gastfreundschaft
  • Sonne und Meer
  • Enorme Benzinpreise (umgerechnet circa CHF 2.40 pro Liter)
  • Einzigartige Landschaften

 

Türkei
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9 Gedanken zu „Türkei

  • Hoi Zäme
    Den Türkei-Bericht habe ich mit Interesse gelesen. Im Gedanken habe ich Eure Reise mitverfolgt.
    Ich wünsche Euch weiterhin viele interessante Begegnungen und Erlebnisse auf Eurem weiteren Weg „around the world“.
    Gruss Albert

  • Hoi zäme
    Vielen Dank für den sehr spannenden und interessanten Bericht.Ihr habt mich richtig gluschtig gemacht. Ich wünsche euch weitere spannende Erlebnisse und Treffen mit gastfreundlichen, friedlichen Menschen.
    Grüessli Carla

  • Hallo Ihr zwei.
    Ihr erlebt ja richtig viel, man wird gleich ein wenig neidisch. Und die tollen Fotos da möchte ich doch gleich das Wohnmobil packen und euch hinterherfahren 🙂 Ich wünsche euch weiterhin so eine tolle Reise wie bis jetzt und freue mich schon auf den nächsten Bericht. Liebe Grüsse Semira, P.s. den Katzen geht es gut. 🙂

  • Hoi mitenand
    Soooo spannend, eure Reise aus der Schweiz aus mitverfolgen zu können. Ich wünsche euch weiterhin gute Fahrt und weiterhin solch tolle Begegnungen und Gastfreundschaft.
    Liebi Grüess us Afzgi
    Monika

  • Hallo Karin und Markus

    Eure Reisebeschreibungen sind sehr eindrücklich und voll von Abenteuer und Erlebnisse die für Euch unvergesslich bleiben werden. Ich wünsche Euch auf eurer weiteren Reise noch viele interessante und spannende Begegnungen und ebenso viele tolle und bereichernde Erfahrungen.

    Gute Fahrt und passt gut auf Euch auf.
    Ganz liebi Grüess, Margrit

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