12.08.2013 bis 16.08.2013

Die Strasse, die hinter dem letzten russischen Zollposten weiterführte, war just ab der Grenzlinie nicht mehr asphaltiert. Vor uns lag eine nasse aber gute Erdpiste. Genau so hatten wir uns die Mongolei vorgestellt. In unserer Vorbereitung war dieses Land stets der Inbegriff von Abenteuer, Herausforderung und Unbekanntem. Wir waren stolz es bis hierhin ohne grössere Schwierigkeiten geschafft zu haben, und gleichzeitig nervös, was uns erwarten würde. Wir fuhren circa zehn Kilometer auf dieser Piste durchs Niemandsland, bis wir den mongolischen Zoll erreichten. Als erstes mussten wir dort unsere Motorräder desinfizieren lassen. Nach Entrichten eines Betrags von je 50 russischen Rubel pro Motorrad wurden wir angewiesen durch eine Betonwanne fahren. Diese Aktion war umso witziger, weil die „Desinfektions“-Wanne trocken wie eine Wüste war. Aber Vorschrift ist eben Vorschrift!

Am Zoll durchliefen wir einen Schaltermarathon. Zig mal mussten wir all unsere Dokumente zeigen und erhielten daraufhin jeweils einen Zettel, den wir am nächsten Schalter vorzuweisen hatten. Anschliessend kontrollierte ein Beamter unsere Motorräder inklusive Inhalt der Koffern und Taschen. Zum ersten Mal auf unserer Reise mussten wir unser gesamtes Gepäck auspacken und inspizieren lassen. Kaum war alles durchgewühlt, erteilte uns der Beamte die Einreisebewilligung. Wir stellten aber fest, dass wir noch keinen Stempel in unserem Pass hatten. Also mussten wir wieder zurück ins Gebäude und uns bei einem weiteren Schalter anstellen. Der zuständige Beamte nahm unsere Pässe entgegen und teilte uns mit, dass wir sie am nächsten Tag zurück erhalten werden, der Zoll sei nun geschlossen. Alles Bitten half nichts, und die Pässe erhielten wir auch nicht zurück. Wir wurden auf ein eingezäuntes Parkfeld verwiesen, wo wir die Nacht zu verbringen hatten. Mit uns waren etwa 20 Mongol Rally (MR) Teams, weitere Touristen und Einheimische dort. Trotz anfänglichem Ärger, Regen und Kälte hatten wir einen sehr amüsanten Abend mit einem Schweizer MR Team. Am nächsten Morgen erhielten wir unsere gestempelten Pässe und konnten endlich unser Mongoleiabenteuer starten.

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Leider währte die Freude nicht lange. Nach ungefähr zehn Kilometer auf der Kiesstrasse hatte unser temporärer Mitfahrer einen Sturz und verletzte sich dabei so schwer, dass er nicht mehr selber weiter fahren konnte. Wir erfuhren zum ersten Mal die mongolische Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit. Einheimische brachten den Verunfallten zum nächsten Arzt und luden uns zu sich nach Hause ein. Dieses Angebot nahmen wir gerne an, denn mittlerweile brach der Abend herein und wir wollten und konnten in der Dunkelheit nicht weiter fahren.

Zum Abendessen gab es Fleisch. Keine Beilagen wie Brot, Kartoffeln oder Gemüse, nur in Wasser gekochtes Schafsfleisch. Für die Mongolen sind der Schafskopf und der Fettlappen am Hintern (die Schafe in unseren Gefilden haben diesen Fettlappen nicht) der beste Teil. Diese „Leckereien“ sind dem Familienoberhaupt und Gästen vorbehalten. Wir waren dankbar, dass der Vater den Schafskopf nicht mit uns zu teilen gedachte. Die Vorstellung über den Geschmack von gekochtem, ungewürztem Schafsfleisch überlassen wir an dieser Stelle jedem selbst. Nur so viel sei gesagt: wir waren froh, dass wir unseren Hunger mit vor dem Essen servierten frittierten Teigbällchen, getrocknetem Käse und Buttertee bereits gestillt hatten. Dennoch, ums Mitessen kamen wir nicht herum. Die  Mongolen empfinden es als sehr unhöflich, nicht mindestens vom Angebotenen zu probieren, und wir wollten die Familie auf keinen Fall brüskieren.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Ölgii, wo wir die nächsten drei Tage blieben. Am ersten Tag unterstützten wir unseren Bekannten, der mittlerweile im Spital war, von „draussen“ so gut es ging. Den zweiten Tag haben wir für die Routenplanung und die Geldbesorgung aufgewendet, denn Bargeld in der mongolischen Währung Tögrög zu erhalten, stellte sich als ziemlich schwierig dar. Einen weiteren Tag haben wir uns für unsere eigene Erholung gegönnt, denn die vorangegangenen Ereignisse hatten ziemlich an unseren Kräften gezerrt. Wir schauten uns die Stadt an, machten einen Bummel durch den örtlichen Markt und genehmigten uns ein Essen in einem Restaurant.

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In unserem nächsten Reisebericht erzählen wir über die Erlebnisse und Eindrücke auf unserer Fahrt nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei.

 

Mongolei – Teil 1: Der Einstieg
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2 Gedanken zu „Mongolei – Teil 1: Der Einstieg

  • Hoi Zäme!
    Eure Berichte lese ich inner mit grösstem Interesse.
    Es freut mich zu hören, dass bisher alles gut ging und Ihr keine grösseren Probleme hatten.
    Ich wünsche Euch weiterhin Gute Fahrt.
    Herzliche Grüsse sendet Euer Fan Albert

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